TIGblogs TIG | TIGblogs GROUP TIGBLOGS LOGIN SIGNUP
Satis Shroff's CATMANDU CHRONICLES
Satis Shroff's CATMANDU CHRONICLES
Religious-magical Understanding of the World in Nepal (Satis Shroff)
Related to country: Nepal

Translations available in: English (original) | French | Spanish | Italian | German | Portuguese | Swedish | Russian | Dutch | Arabic

Religiös-Magisches Weltverständnis in Nepal (Satis Shroff)

Der Glaube an magische Kräfte läßt sich historisch sehr weit zurückverfolgen. Bereits bei den Griechen und Römern war der Glaube an die "Baskania"(griech.) d.h." Verhexung" und an das "Fascinum" (Lat.) (Zauber) eine Selbstverständlichkeit. Aus dieser Zeit stammen auch heute zum Teil noch gebräuchliche Wörter wie "mania" (Manie), "oistros" (Begeisterung) oder "lyssa" (Tollwut).

Selbst das Christentum hat keine Zweifel an magischen Einflüssen geäußert, hat sie aber als ein Verbund mit Dämonen bezeichnet. Die katholische Kirche betrachtete die Magie als diabolische Bessenheit und sah im Exorzismus die einzige Form der Heilung und Befreiung. Während dieser Zeit wurden Besessenheit und Exorzismus sogar in das Evangelium einbezogen. Obwohl bis ins Mittelalter die magischen Handlungen nicht nur toleriert, sondern sogar geschätzt wurden, sind mit Beginn der Renaissance Hexen und Magier von der katholischen und der evangelischen Kirche verfolgt und hart bestraft worden. Es war die Zeit der Inquisition, der Verfolgung und Hexenverbrennung. Im 18. Jahrhundert, mit Beginn der Aufklärung wurden die magischen Handlungen entmystifiziert, laisiert und gleichzeitig mit psychologischen Begriffen wie Einbildung und Suggestion belegt. In der Romantik wurden die magischen Handlungen jedoch als positive Attribute wieder entdeckt, und Teile davon sind noch heute in der Umgangsprache zu finden. Man spricht von bezaubernden Augen, von einer faszinierenden Frau etc.

Die Glaube an magische Kräfte hat sich in den südeuropäischen Ländern verbreitet und bis heute noch fast unverändert erhalten können. Und zwar hauptsächlich dort, wo die Unsicherheit im täglichen Leben, die Kraft des Negativen, der Mangel an Möglichkeiten, gegen das Böse anzukämpfen, und die bestehende psychologische Überzeugung, von etwas getrieben zu sein, noch sehr lebendig sind.

So wie es während meines Praktikums mit südländischen Klienten erfahren habe, ist das sizilianische Sprichwort, "una candela al Santo e una al serpente"1 (wörtliche: eine Kerze für den Heiligen und eine für den Drachen; sinngemäß: entweder hilft die Religion (Heiliger Georg) oder die Magie. Die Drache (= Teufel), ist sicherlich der beste Beweis dafür, daß in Süditalien die Magie nicht von der Religion getrennt und ihr genauso Glauben geschenkt wird. Die fascinazione (Bannung) ist eine der am meisten verbreiteten Form von Verhexung, die bei dem Betroffenen Hemmungen, Blockierungen und Entscheidungslosigkeit verursacht. Sie erfolgt durch "Ansteckung" bei bestimmten Personen, an Kleidern oder Gegenständen. Ein "magaro"(Hexer) verteilt einige Tropfen Öl auf eine Schüssel voll Wasser, und wenn das Öl im Wasser expandiert, bedeutet es, daß eine "fascinazione" stattgefunden hat. In diesen Fällen genügt es, das Wasser auf die Strasse zu gießen, um den Betroffenen zu befreien. Die nächste Person, die mit dem Öl in Berührung kommt, wird sich dann "anstecken".

Krankheitsvorstellungen- und -verständnis in Nepal: Es gibt unterschiedliche Auffassungen von Krankheit und Heilung in anderen Kulturen. Dennoch muß in der ‘Volksmedizin’ unterschieden werden zwischen Naturheilkunde mit Hilfe von Pflanzen und solcher mit magischen Praktiken. Daß Magie bzw. Shamanismus nicht die einzige Alternative zur modernen rationalistischen Medizin ist, steht hier nicht zur Debatte.

Die westliche Begriffe „Virus“ und „Infektion“ sind in Nepal bzw. im Himalayaraum unbekannt. Als Ursachen gelten falsche Ernährung und falsche Lebensweise. Tibetische Ärzte sagen, daß sie die Krankheit schon zwei Wochen vor Auftreten der ersten Symptomen feststellen können. Sie heilen und bessern die Erkrankung binnen weniger Wochen mit Pillen, die unter anderem indischen Enzian, die Frucht des Myrobalsam-Baumes, Samen saurer Gurken und Windrosen enthalten. Unterschieden wird grundsätzlich zwischen sogenannten heißen und kalten Krankheiten.

Der tibetische Ärztin Lobsang Dolma2 in Dharamsala zeigt sich von der Krebshäufigkeit in westlichen Kliniken sehr beeindruckt. In Tibet, ihrer Heimat, ist die Krebsbehandlung Jahrhunderte alt. Durch Kräutermedizin habe sie mehrere Brustkrebsoperationen vermeiden können. Sie vermutet, daß Brustkrebs durch Ernährungsfehler, Einschnürung durch Unterkleidung oder sexuelle Manipulation mitverursacht wird. Gute Erfolge würden auch bei der Behandlung von Rheuma und Arthritis erzielt. Untersuchungen haben ergeben, daß der Ayurveda zur Lösung mancher Probleme beitragen könnte, bei denen die westliche Medizin bisher versagte.

Zwischen Göttern und Geistern:

Die Psyche des Nepali-Patienten: Ein Grund für die Akzeptanz der traditionellen Heiler ist auch darin zu finden, daß die medizinische Versorgung der Bevölkerung auf dem Land wesentlich schlechter ist, da es keine Strassen und Transportmöglichkeiten für die einfache, armen Bevölkerung gibt. Wenn der nächste Health Post weit entfernt ist und die Patienten nicht transportiert werden können, dann ist die Heranziehung des traditionellen Heilers am Ort einfacher und logischer. Nepalesen, die eine ärztliche Ausbildung in Nepal, India, China oder in Europa absolviert haben, neigen dazu, lieber in den Städten (wo es Infrastruktur gibt) zu arbeiten als in den ‘remote mountain areas’ ihren Lebensunterhalt zu suchen.

Der nächste Strassenanschluß kann mehrere Tagesmärsche entfernt sein, und die schulische Bildung der Kinder ist auch nicht gewährleistet. Frustration unter den Nepali-Ärzten ist keine Seltenheit. Aber gerade hier haben die Sozialarbeiter bzw. NGOs eine wichtige Funktion zu erfüllen, da sie zeitlich befristet arbeiten, indem sie die Einheimischen trainieren bzw. in Entwicklungsbereichen ausbilden, sei es Schulsozialarbeit machen, Brückenbauen oder einen Health Post einrichten oder Managementtechniken mit Erfolg einführen.

Nepali-Patienten die aus den Dörfern kommen, sind meistens arm, krank, hilflos, mittellos und haben ein magisches Denkschema. Hinzu kommt die Tatsache, daß sie äußerst mißtrauisch sind und nicht gern über ihr Weltverständnis sprechen. Die Erfahrung hat ihnen gezeigt, daß sie jedesmal, wenn sie mit einem allopathischen Arzt über die unsichtbare Mächte gesprochen haben, mißverstanden, ausgelacht oder sogar als verrückt etikettiert und dann auch entsprechend behandelt worden sind. Aufgrund ihrer Unkenntnis von psychischen Störungen, Psychologie und Psychotherapie sind sie außerdem nicht in der Lage zu verstehen, daß der ihnen gegenüberstehende Berater nicht, wie der Schamane (Dhami-Jhakri-Bijuwa), ihre Probleme schnell und bequem mit ein paar Formeln und Amuletten lösen kann.

Das Rezitieren von Mantras zur Vermeidung von Naturkatastrophen, die vielfältige Anbetung der fünf Elemente und das Aussuchen von Pilgerstätten dienen einzig dem Zweck, sich des Lebens bewußt zu werden, seines stetigen Wandels und der Stellung, die man in dem Gewebe von Wechselwirkungen in dieser Welt innehat. Der Mensch als Lebewesen ist ein Teil aller Erscheinungen, die das Universum ausmachen. Die Verehrung von Machendranath, Akash Bhairab, des Regengott Indra, der Göttinnin Dakshin-Kali und Taleju durch Tieropfer, des Gottes der Zerstörung Kal Bhairab, des Affengottes Hanuman, der Kumari (Inkarnation der Hindugöttin Parvati), des Pashupatinath (Gott Shiva), der heiligen Flüsse Bagmati und Vishnumati sowie von Ganges, Kumbeshwar, Jagat Narayan, Swayambhunath und Boudhanath zeigt, daß die Nepalis (als Teil dieser Welt auch) in Verbindung mit den hinduistischen und buddhistischen Göttern stehen. Die Bewältigung der Krankheit erfolgt im Himalayaraum meistens mit Hilfe traditioneller Heilungskonzepte, die in vielfältiger Weise individuell ausgestattet werden.

Kosmologie bei den Nepalesen: Die Welt, wie die Nepalesen sie erleben, ist von einer Vielzahl unsichtbarer Wesen besiedelt, die eine bedeutende Rolle im täglichen Leben der Menschen haben. Die spirituellen Wesen der Tamang zum Beispiel sind eine bunte Mischung aus Gottheiten, Buddhas, Bodhisatvas, Rimpoches und gut- und bösartigen Geistern.

Hinzu kommen Ambivalente Formen, deren diversen Ursprünge auf die komplizierten kulturellen Prozesse weist, denen die Tamangs ausgesetzt waren. Sie spiegeln zum Teil die Glaubenswelt des tibetisch-buddhistischen Götterhimmels. Andererseits teilen sie mit den hinduistischen bzw. nepalesischen Kosmologie gemeinsame Gottheiten und Kultur. Die spirituellen Wesen bzw. Götter, die aus dem Süden kommen, werden in Nepali angesprochen, die aus dem Norden auf Tamangbhasa und tibetisch und wieder andere in einer archaischen Form der Tamangsprache. Man kann das Pantheon zum Erklärungszweck teilen in:

- die sangkye (die Buddhas).
- die la (Gottheiten): Die la (Gottheiten) findet man überall z.B. Herd, Pfeiler, Tür oder Korb im Heim, Plätze im Dorf, in der Nachbarschaft, in Flüssen, Hainen, Pässen, Bergen. Sie werden sehr oft in verschiedenen Ritualen und durch endlose Rezitationen aufgelistet und gepriesen. Dem la der vier Richtungen wird zyklisch geopfert.
- Temba la sind klanspezifische Gottheiten, die einen Haushalt oder eine Person eines Klanes schützen. Führt ein Schamane (Bombo) eine Seance durch, ersucht er den Temba la des Hauses um Unterstützung zugunsten seiner Bewohner.

Der wichtigste ist shyihbda, der Herr des Bodens, der für das Wohlergehen der Dorfbewohner, für die Fruchtbarkeit der Felder und die Gesundheit des Viehs besondere Verantwortung trägt. In den Tamangdörfer gibt es auch Kultplätze, um die männlichen und weiblichen shyihbdas darzustellen. Der Dorfvorsteher ist für der Shyihbda-Kult zuständig. Im allgemeinen den Menschen wohlwollend, wird der Shybhda nur böse, sollte man seinen Kultplatz schänden oder käme es zu einem Inzest im Dorf.

Andere bösartige Wesen sind Geister von Menschen, die durch einen Unfall oder Gewalt früh gestorben sind und noch an der Welt der Lebenden festhalten wollen. Sie verursachen eine lange Reihe gewöhnlicher Krankheiten und Beschwerden wie Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Ruhr, Fieber, Erkältungen und können auch eine Niederkunft erschweren. Einige regionale Geister sind besonders mächtig und werden sehr gefürchtet. Es gibt auch solche Geister, meistens die Geister vorstorbener Schamanen, die ernsthafte und lebensgefährliche Krankheiten bei Mensch und Tier verursachen.

In jener Zeit3 trat ein Mann aus dem Norden auf, ein Selbstgeborener. Sein Name war Rama Puran Tsan. Er bestieg einen Baum und beobachtete von dort aus das Treiben der Welt. Da sah er, wie viele der irdischen Krankheiten von Geistern, Göttern und Hexen verursacht wurden, dadurch, daß sie ihren Opfern die Seelen raubten. Zugleich erkannte er, von seinem erhöhten Standort aus, wonach es die Übernatürlichen in Wahrheit gelüstete: Sie wollten Blut.
Und er bot sich ihnen als Mittler an, gegen blutige Opfer die Seelen seiner künftigen Kunden zu tauschen. Seiner Einsicht in die Ursachen des Unheils fügte er Kentnisse hinzu in den geheimen Praktiken der Zauberkunst, in der heilenden Wirkung himalayischer Kräuter und in den wechselnden Schlägen von Puls und Gemüt.
Ram Puran Tsan wurde der Erste Schamane.


In jener Zeit: Damit ist gemeint, daß besseren Zeitalter waren verloschen, das gegenwärtige, finstete hatte begonnen. Die Herrscher waren von ungehobeltem Geist und hinter ihrer Stirn lauerte die Gewalt. Eine Stimmung der Bosheit umwölkte das Land.. In diesem einsernen Zeit wurden die Menschen nicht alt. Unerkannte Krankheiten bemächtigten sich der geschundenen Körper und rafften binnen kurzem ganze Völkerschaften dahin. So wurde der Furcht vor der Unterdrückung noch überschattet von der Gefahr eines vorzeitigen Tods. Quelle: Oppitz, Michael: Schamanen im Blinden Land , Syndikat Frankfurt 1981 S. 12

January 10, 2008 | 6:06 AM Comments  0 comments

You must be logged in to add tags.


Satis Shroff's Profile

Satis Shroff's Friends


Latest Posts
Adieu Mr. Jackson...
Adieu Michael Jackson
Commentary: Falklands...
Satis Shroff: A...
BOOK-REVIEWS By Satis...

Monthly Archive
November 2007
December 2007
January 2008
February 2008
March 2008
April 2008
May 2008
June 2008
July 2008
August 2008
September 2008
October 2008
November 2008
December 2008
January 2009
February 2009
March 2009
May 2009
June 2009
July 2009

Change Language


Tags Archive
amulets barks beads belief bijuwas boksas boksis buddhism charms customs dhamis freiburg germany healingplants himalayas jhakris lamas literature mantras miteinander nepal offeringstogods peace roots shamanism spirits thirdreich togetherness traditionalmedicine

Filter By Type
Travel
Topics

Friends
Alanna
Andy Carloff
Anita
anneke wegstapel
Arun Khadka
clarita zarate
Denise Ogonoski
Elaine Cris C.
Emily Briggs
Fi McKenzie
Franziska Seel
Gingernuts :D
Haylz
Ingrid Kamerbeek
J R
Jacques
Jennifer Corriero
Kimia
Kristina Minko
LaceyHarding
Madelaine Hamilton
Maja Andjelkovic
Manish Thapa
Mariana Ballestero
Mariana Marx
Marina Mansilla Hermann
Mariya Petrova
Muqing
rebekah
Rukh Gurung
Shakti
Smita
Svetlana Radosavljevic
Swansurf2099
technologygeek
tina
Yasmary Mora
Zorica Vukovic

Links
satisshroff.blog.ch
www.blogspot.com


66901 views
Important Disclaimer